Übergänge im Leben von Frauen
– Kraft, Wandel und Bewusstsein
Wenn du wissen willst, wo deine Kraft wirklich liegt, brauchst du nur deine Körperprozesse zu betrachten, die man dich ablehnen, leugnen und fürchten lehrte. ~ Christine Northrup.
Eine Frau durchläuft in ihrem Leben verschiedene Phasen, die meist an Übergangsereignissen ineinander überfließen. Ein Mädchen wird mit ihrer ersten Monatsblutung, der Menarche, zur Frau. Eine Frau wird mit der Geburt zur Mutter. Hierbei ist jedoch nicht ausschließlich die Geburt eines Kindes gemeint, sondern das Gebären im weiteren Sinne. So können es auch Ideen oder Projekte sein, die eine Frau zur Welt bringt und diese dann “bemuttert”. Ob die Frau nach einer Geburt ein Baby im Arm hält oder nicht, ändert nichts an dem Umstand, dass das Gebären ein Übergangsritus ist. Und jede neue Geburt ist eine weitere Übergangsphase von der Mutter eines Kindes/einer Idee etc. zur Zweifachmutter und so weiter.
Der Übergang aus der Phase der Mutter zur Phase der Maga (Herbstfrau) ist die Perimenopause, also die Wechseljahre. Auch wenn es von der Maga zur Alten Weisen kein konkretes “Übergangsereignis” wie bei den beiden Vorangegangenen gibt, so ist doch auch mit den Jahren ein Prozess von der Maga zur Alten Weisen zu erkennen. Die Alte Weise beginnt irgendwann in den Übergangsprozess des Sterbens einzutauchen, bis sie letztendlich ihren letzten Atemzug tut.
Die Menarche – Der Übergang vom Mädchen zur Frau
Wie wir die Menarche, unsere erste Blutung im Mädchenalter, erleben, ist von großer Bedeutung für unser Selbstbild als Frau. Dieser Moment markiert den Beginn einer neuen Identität. Eine Phase endet, eine neue beginnt.
Es ist der erste bewusste Kontakt mit der zyklischen Natur des weiblichen Körpers. Mit Blut, mit Fruchtbarkeit, mit Kraft – und mit all den gesellschaftlichen Prägungen, die damit einhergehen. Wird die erste Blutung als etwas Beschämendes erlebt, kann sich dies tief im Selbstbild verankern. Wird sie als Initiation gewürdigt, kann sie stärken.
Ein Übergang ist der „Wechsel zu etwas anderem, Neuem, in ein anderes Stadium“ (Duden). Und genau das ist die Menarche: der Eintritt in ein neues Stadium des Seins.
Geburt als Initiation – Der Übergang zur Mutter
Wie wir den Übergang von der Frau zur Mutter erleben, ist ausschlaggebend für unser Erleben als Mutter. Gleichzeitig birgt das Gebären das Potential, die Beziehung zum eigenen Körper und dem Selbstwertgefühl zu heilen, wenn in der vorangegangenen Phase Verletzungen des Selbstbildes entstanden sind.
Auch der Berührungspunkt mit dem Tod, mit dem wir uns im Zuge der Geburt unweigerlich auseinandersetzen müssen, kann Frauen nach dem Hinabsteigen zu diesem tiefsten Punkt in einen euphorischen, erleuchteten Zustand zurückkehren lassen.
Gebären bedeutet Transformation. Nicht nur körperlich, sondern existentiell. Eine neue Identität entsteht. Und mit jeder weiteren Geburt beginnt dieser Prozess erneut.
Die Maga – Die Kraft der Perimenopause
Noch ein paar Worte zur Maga, da dies wahrscheinlich der Begriff mit den Fragezeichen im Kopf ist. Es ist die weibliche Form des lateinischen Wortes magus, was den Magier oder den Sehenden bedeutet. Der Begriff entwickelte sich, da Frauen heutzutage eine immer längere Zeitspanne in der Perimenopause verbringen und nicht direkt aus der Mutterphase in die der Alten Weisen hüpfen.
Die Maga ist die Phase der Matriarchin. Der sinkende Östrogenspiegel kann ähnlich dem zyklischen Herbst gesehen werden und bringt Wahrheiten an die Oberfläche, auch unangenehme.
Die Maga besitzt Lebensweisheit, spricht ihre Wahrheit und ist nicht mehr bereit, ihre eigenen Bedürfnisse denen anderer unterzuordnen, was häufig zu Spannungen bis hin zu Trennungen führen kann. Oft erleben Frauen in der Magaphase den Drang, sich noch einmal selbst zu verwirklichen und verlangen nach Veränderung. Es ist gleichzeitig auch die Zeit, um unerfüllte Träume zu betrauern.
Die Frage, ob Ersatzhormone wirklich ein guter Ansatz sind, um wieder zu “bequemen Partnerinnen” zu werden, würde an dieser Stelle wahrscheinlich zu weit führen.
Die Alte Weise – Übergang in die letzte Lebensphase
Auch wenn es keinen klar definierten Moment gibt, der die Maga von der Alten Weisen trennt, ist mit den Jahren ein Prozess erkennbar.
Die Alte Weise trägt Erfahrung, gelebtes Leben und innere Reife in sich. Irgendwann beginnt sie in den Übergangsprozess des Sterbens einzutauchen, bis sie letztendlich ihren letzten Atemzug tut.
Dieser letzte Übergang ist ebenso Teil des Lebenszyklus wie alle vorherigen.
Gesellschaftliche Bilder weiblicher Lebensphasen
Mit jedem Übergang gehen auch körperliche Veränderungen und gleichzeitig Veränderungen der Position und Stellung in der Gesellschaft einher.
Überspitzt gesellschaftskritisch ausgedrückt:
„Das unschuldige Mädchen – die für Werbezwecke omnipräsent sexualisierte Frau – die gute, sich aufopfernde Mutter – die nicht mehr sexy, nicht mehr fruchtbare, angepasste Ältere – die alte, hilfsbedürftige.“
Es ist an uns, davon angemessenen Abstand zu nehmen und das Geschenk jeder dieser Phasen zu sehen, zu würdigen und uns damit zu zeigen.
Warum Übergänge geschützt werden müssen
Wie wir die jeweiligen Übergänge erleben, ist sehr prägend für das Sein und das Empfinden der Phase, in die wir übergegangen sind.
Was wir als Gesellschaft daraus machen, ist von Bedeutung. Wie wir darüber sprechen. Was wir unseren Kindern und Freundinnen darüber erzählen. Dass wir überhaupt damit beginnen, die Dinge beim Namen zu nennen.
Auch wenn das Konzept irgendwo ein Schubladendenken ist, so ist es doch auch Klarheit.
Ich möchte die Wichtigkeit betonen, diese Übergänge zu schützen, besonders den Übergangsprozess der Geburt, indem wir die Frau in sich selbst stärken und sie ehren. Durch Worte und Taten. Beispielsweise mit einem Ritual wie einem Mama Blessing.

